Korrosion und Oberfläche bei Edelstahl-Drehteilen
Wie die Passivschicht schützt, wo sie versagen kann und was die Zeichnung zur Oberfläche festlegen sollte.
Die Passivschicht
Edelstahl rostet nicht, solange seine Passivschicht intakt ist. Sie besteht aus Chromoxid, ist nur wenige Atomlagen dick und bildet sich von selbst, sobald Chrom im Stahl auf Sauerstoff trifft. Wird sie verletzt, baut sie sich neu auf, vorausgesetzt, Sauerstoff kommt an die Stelle.
Daraus folgen zwei Bedingungen. Der Stahl braucht genug Chrom, und die Oberfläche muss frei von allem sein, was die Schicht stört: Rückstände von Werkzeugen aus anderem Stahl, Anlauffarben nach Hitzeeinwirkung und eingedrückte Fremdpartikel. An solchen Stellen kann die Schicht fehlen oder dünn sein, und dort beginnt Korrosion.
Auch die Bearbeitung kann die Schicht stören, weil sie die Oberfläche verformt und erwärmt. Wie eine Oberfläche danach behandelt wird, ist eine eigene Frage, die der Werkstoff allein nicht beantwortet; sie hängt vom Einsatz, vom Medium und von den Angaben der Zeichnung ab.
Einordnung: allgemeine Korrosionskunde. Stand der Seite: 03.10.2026.
Fremdeisen, Spalt, Lochkorrosion
Drei Korrosionsarten, die bei Edelstahl-Drehteilen vorkommen können.
Fremdeisen
Fremdeisen sind Partikel aus unlegiertem Stahl auf der Edelstahloberfläche, etwa von Werkzeugen, Bürsten oder Funken. Sie rosten, und der Rost sieht aus, als rostete das Teil selbst. Das Teil ist dann nicht durch den Werkstoff, sondern durch die Fremdpartikel betroffen. Sauberkeit im Umgang mit dem Teil ist die Gegenmaßnahme.
Spaltkorrosion
In engen Spalten, etwa unter Dichtungen oder zwischen zwei anliegenden Bauteilen, bleibt das Medium stehen. Der Sauerstoff im Spalt wird verbraucht und kaum ersetzt, die Passivschicht kann sich nicht erneuern, und der Angriff beginnt. Konstruktiv hilft, Spalte zu vermeiden, zu verschließen oder so zu legen, dass das Medium abfließen kann.
Lochkorrosion
Chloride, wie sie in Salz und vielen Reinigern stecken, können die Passivschicht punktuell durchbrechen. Es entstehen kleine, tiefe Löcher bei sonst unversehrter Oberfläche. Wie empfindlich eine Sorte ist, hängt von der Zusammensetzung ab, deshalb gehört bei Einsatz in chloridhaltiger Umgebung die genaue Werkstoffnummer in die Anfrage. Wo Medium und Temperatur den Angriff fördern, entscheidet die Wahl der Sorte mit; beschreiben Sie den Einsatz deshalb kurz in der Anfrage.
Einordnung: allgemeine Korrosionskunde.
Oberflächenangaben in der Zeichnung
Eine Oberfläche ist erst vorgegeben, wenn die Zeichnung sie benennt. Üblich ist der Mittenrauwert Ra, der den mittleren Abstand der Profilspitzen und -täler von der Mittellinie angibt, oder die gemittelte Rautiefe Rz, die mehrere Einzelmessstrecken zu einem Wert zusammenfasst. Die Angabe steht an der betroffenen Fläche, mit dem Wert, den die Funktion der Fläche braucht. Wo die Zeichnung nichts angibt, gilt keine besondere Anforderung. Diese Seite nennt dazu keine Zahlenwerte; sie hängen vom Einsatz ab.
Anforderungen an die Korrosionsbeständigkeit der Oberfläche, etwa die Freiheit von Fremdeisen oder eine Behandlung nach der Bearbeitung, schreiben Sie als eigenen Vermerk auf die Zeichnung oder in die Anfrage. Nennen Sie dazu Ihre Anforderung und den Einsatz des Teils; das Angebot nennt den Lieferumfang.
Für Gewinde im Edelstahl zählt zusätzlich die Montage, die der Fress-Risiko-Check einordnet.
- Fläche: welche Fläche die Anforderung betrifft
- Rauheit: Ra oder Rz, nur mit Wert und Fläche
- Zustand: frei von Fremdeisen oder Anlauffarben, falls nötig
- Behandlung: die gewünschte Behandlung als Vermerk, nicht als Annahme
Sauberkeit und Umgang gehören zur Korrosionsbeständigkeit
Die Beständigkeit eines Edelstahlteils hängt nicht nur vom Werkstoff ab, sondern auch davon, wie es nach der Fertigung behandelt wird. Fremdeisen, Fett und Rückstände auf der Oberfläche behindern die Passivschicht. Ein Teil, das mit Werkzeugen aus unlegiertem Stahl in Berührung kam, kann Rost ansetzen, obwohl der Werkstoff selbst in Ordnung ist.
Deshalb lohnt es sich, Anforderungen an den Zustand ausdrücklich zu nennen. Soll das Teil frei von Fremdeisen geliefert werden? Soll es verpackt werden, damit es auf dem Transport nicht mit anderen Metallen in Berührung kommt? Solche Wünsche gehören in die Anfrage; sie lassen sich im Angebot nur berücksichtigen, wenn sie dort stehen.
Für den Einbau gilt dasselbe wie für die Lieferung: Werkzeuge und Ablagen, die zuvor unlegierten Stahl berührt haben, bringen Fremdeisen auf das Teil. Das ist ein Hinweis für den Umgang, keine Aussage über eine Lieferung. Für Teile mit Gewinde gilt außerdem, was der Fress-Risiko-Check zu Montage und Schmierung sagt.
- Werkzeuge aus unlegiertem Stahl auf blanken Flächen
- Fett, Staub und Rückstände in Spalten
- Berührung mit anderen Metallen beim Transport
Häufige Fragen
Nennen Sie Ihre Anforderung an die Oberfläche und den Einsatz des Teils, etwa eine geforderte Freiheit von Fremdeisen. Das Angebot nennt den Lieferumfang.
Verfasst von der Evotec GmbH, Arnsberg · Stand 03.10.2026
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Werkstoffnummer und Zustand gehören dazu, das Ergebnis des Checks auf Wunsch ebenfalls. Was die Unterlagen noch offenlassen, klären wir im Vorfeld des Angebots gemeinsam mit Ihnen.